Schreiben – der Versuch, unvereinbare Gegensätze miteinander in Einklang zu bringen

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Ganz vielen Dank an Clia Vogel, die mich auf ihrem Blog für den „Liebster Bog Award“ nominiert hat. Mit der Auszeichnungen sind ein Bündel Fragen beantwortet, die ich gerne beantworte.

1. Was genau machst Du beruflich? Übst Du einen oder mehrere Berufe aus?

So viele Berufe ich in meiner Vergangenheit ausgeübt habe (Lehrerin an Realschule und Gymnasium), freiberufliche Musiklehrerin, Referentin in der Hochbegabtenförderung, so gradlinig ist mein Leben inzwischen geworden:

Ich schreibe 🙂

2. Hast Du eine künstlerische Ausbildung? Oder bist Du Autodidaktin? Oder vielleicht eine Mischung?

Als ich mit der Schule abschloss, gab es noch keine Kreative-Writing-Studiengänge, all die Onlinekurse, Akademien und Autorenschulen, die vielen Coachingmöglichkeiten und Onlinekurse gab es noch nicht. Studiert habe ich Musikwissenschaft, Germanistik, Literaturwissenschaft, Schulmusik und den Abschluss für das Lehramt an Realschulen abgelegt.

Alles, was ich gelernt habe, hilft mir beim Schreiben, aber noch wichtiger auf dem Weg, Autor zu werden, finde ich das eigene Lesen. Was berührt mich an einem Buch? Was begeistert? Was erzeugt Spannung? Ich glaube, für das Schreiben ist die beste Schule, wenn man viel liest.

3. Wie vereinbarst Du Deine künstlerische Arbeit und Deinen Brotjob?  (Wenn Du einen hast.)

Es ist ein Luxus, dass ich vom Schreiben leben kann.

4. Ist Deine künstlerische Arbeit mit einem spirituellen Weg verknüpft? Und wenn ja, wie spielen die beiden Aspekte zusammen?

Spirituell, ein großes Wort. Im religiösen oder magisch-mythischen Sinn nicht. Wer konkrete Antworten sucht, wird in meinen Büchern nicht fündig werden, weil ich selbst für mich meist nur auf den Moment bezogene Antworten geben kann.

Trotzdem gibt es in meinen Romanen neben der Handlungs- und Spannungsebene eine weitere, die das Geschehen im Roman mit dem verbindet, was man auch in Mythen, Sagen, Märchen findet.

– Wie weit darf Liebe und Aufopferung gehen? (Roman: Liebe zwischen den Noten)

– Ab welcher Größe ist ein Ungeborenes ein Kind? Hat das Rechtssystem immer „recht“, wenn es so im Gesetz steht? („Der Zweite“)

– Wenn in der Vergangenheit etwas geschehen ist, über das niemand reden kann, ohne innerlich daran zu zerbrechen, was macht man dann? Inwieweit sind wir unseren Eltern verpflichtet? („Als Träume fliegen lernten“)

Insofern gibt es in so gut wie allen Büchern von mir existenzielle Fragen, die literarisch verarbeitet sind.

Eine konkrete Linie gibt es zwischen den Themen nicht, es ist kein fester Weg, der irgendwo hinführt, sondern es ist geleitet von dem, was mich persönlich in dem Moment der Romanidee bewegt. Mit den Romanen versuche ich, den Dingen auf den Grund zu gehen.

5. entfällt, integriert in 4.

6. Kann man Deiner Meinung nach ohne “Spirit” überhaupt künstlerisch arbeiten?

Schreiben braucht Begeisterung, es braucht Inspiration und Leidenschaft. Jedes Buch ist ein Weg, der streckenweise auch sehr lang werden kann und gerade auf solchen Durststrecken kommt immer wieder die Frage auf: Warum schreibt man überhaupt? Warum lässt man es nicht einfach und sucht sich eine leichtere Möglichkeit, das Geld zu verdienen?

Bei mir ist es der innere Impuls, wenn ich etwas beobachte oder lese (meistens Fachtexte), dass ich beginne zu überlegen: Was wäre wenn … und so laufend Romankeime entstehen.

7. Arbeitest Du selbst mit Hilfe intellektueller Konzepte oder lässt Du Dich ganz von Deiner Intuition leiten?

Jahrelang habe ich mich mit intellektuellen Konzepten zum Schreiben und zur Literatur befasst als Teil meines Studiums und darüber hinaus. Ich habe auch Teile daraus in meinen früheren Werken eingebaut, um zu sehen, wie es sich praktisch auswirkt – um dann doch alle Konzepte über Bord zu werfen und mich von meinem eigenen Gespür leiten zu lassen. Wenn es aber einmal klemmt beim Schreiben, bin ich froh, dieses Analysewerkzeug zur Hand zu haben, um damit auch Schwachstellen in den eigenen Texten selbst zu finden.

8. Arbeitest Du im Alltagsbewusstsein oder im Zustand angrenzender Sammlung? (Mit dem Begriff “angrenzende Sammlung” bezeichnet man im Buddhismus eine Vorstufe zum “State of Meditation”.)

Am Anfang eines Romans stehen in erster Linie rationale Überlegungen, ob alle Ideen, die ich gesammelt habe, ein Ganzes ergeben, oder ob etwas passiert. Es ist eine Art intellektuelle Puzzlearbeit, die ich auch gerne mit Kollegen diskutiere.

Ich wünschte, was dann käme, wäre ein dauernder „Flow“, wo sich die Worte wie von selbst schreiben. Ja, manchmal passiert es, dann brauche ich nicht über das Wie und Was nachdenken, da handeln die Figuren aus sich heraus, da „fließt“ es einfach. Manchmal kämpfe ich um jedes Wort und denke: Tritt den Roman doch in die Tonne.

Am Ende, bei der Überarbeitung, steht das analytische Element im Vordergrund. Das Schreiben braucht alle Ebenen, die analytische, die kreative, das Fließenlassen und das Kontrollieren, die Logik und das Gefühl, Nähe und Distanz. Schreiben ist der Versuch, unvereinbare Gegensätze miteinander in Einklang zu bringen.

9. Welche Rolle spielt Dein Blog (spielen Deine Blogs) für Deine Arbeit?

Mein Blog ist für mich Entspannung. Er ist eine Mischung aus Reisetagebuch bei Recherchereisen (was vor allem für diejenigen interessant ist, die Hintergrundinformationen und Fotos zum Romanhandlungsort suchen), Informationen für Lesende und Schreibende. Dort findet sich auch viel von dem, was zu den Romanen gehört, dort aber logistisch nicht untergebracht werden kann, sonst müsste meine neue Islandsaga ein Bildband werden 😉

10. Kümmerst Du Dich um die technische Seite des Blogs selbst oder nimmst Du einen Dienstleister in Anspruch?

Da ich auch extern für andere größere Webseitenprojekte betreue (noch), kenne ich mich gut mit der Technik aus und empfinde es auch als angenehme Abwechslung im Schreiballtag, mich darum zu kümmern.

 

Nun würde ich das Staffelhölzchen gerne weitergeben an:

Shadows Bücherblog http://shadowsbuecher.blogspot.de, die es immer wieder schafft, in einem Satz Bücher zu beschreiben und zu charakterisieren, dass ich oft denke: Genau so wollte ich es eigentlich sagen (okay, habe ich nicht so gesagt).

Inca Vogt mit dem Blog http://www.incalife.de/, wo es nicht nur Hintergrundinfos zum Thrillerschreiben gibt, sondern auch viel zum Thema Lifestyle.

Und an Claudia Toman, die mit dem Autorendienst-Team alles tut, damit auch Selfpublishingbücher bei ihr ein Zuhause finden http://autorendienst.net/blog/.

Das sind meine liebsten Blogs, die von mir den Liebster Bog Award bekommen.

 

Für euch habe ich mir folgende 10 Fragen ausgedacht:

Da die Beantwortung doch etwas Zeit in Anspruch nimmt, ihr braucht sie nicht jetzt beantworten, vor allem nicht vor der Buchmesse ;-), lasst euch die Zeit, die ihr braucht.

  1.  Was genau machst Du beruflich? Übst Du einen oder mehrere Berufe aus?
  2. Wie kamst Du zur Literatur?
  3. Einmal abgesehen von den Büchern und vom Schreiben – gab es etwas anderes, was Du als Kind gerne werden wolltest?
  4. Was ist für Dich das „perfekte“ Buch?
  5. Welches Buch ist das erste, an das Du Dich erinnerst, das Du als Kind gelesen hast oder das Dir vorgelesen wurde?
  6. Welche Themen bewegen Deine Romane / Deine Leseleidenschaft?
  7. Glaubst Du, dass sich Literatur verändert durch die Möglichkeiten von Internet und E-Book?
  8. Wie sieht für Dich der perfekte Tag aus?
  9. Füge hier ein Foto von Deinem liebsten Schreib-/Leseort ein.
  10. Hast Du einen Geheimtipp, den Du angehenden Autoren/Buchbloggern verraten kannst?

 

 

Kommentare (2)

  1. Clia 7. Oktober 2015 at 14:07

    Liebe Heike,

    ich danke Dir sehr, dass Du meine Fragen so ausführlich beantwortet hast. Da habe ich Dich doch gleich ein ganzes Stück besser kennengelernt. 😉

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