Romanplanung Tutorial 7 – Szenenplanung, das Navi der Autoren

Auf der Basis der bisherigen Tutorials dürfte es eigentlich kaum ein Problem sein, mit der Planung der einzelnen Kapitel zu starten. Das ist der Arbeitsschritt, der am intensivsten ist von allen.
Auch für die Profis ist dieser Schritt immer wieder ein Wagnis, weil man an dieser Stelle merkt, ob die Geschichte wirklich aufgeht.

Zuerst geht es um die erste Szene.
Wie anfangen? Erst einmal die Vorgeschichte erzählen? NEIN.
Setze direkt mit der Handlung ein. Beginne mit Deiner Geschichte dort, wo sie den Leser am meisten packt. Mache ihn neugierig. Erkläre nicht zu viel, lass die Figuren handeln. Am besten lässt es sich mit einem Ereignis beginnen, das das bisherige (ruhige) Leben des Protagonisten auf den Kopf stellt, den Alltag und die Normalität zerstört.

Es kann nicht viel schiefgehen, wenn man sich am klassischen Szenenaufbau orientiert:
1) Die Szene hat am Anfang einen Auslöser, eine Spannung, die auftritt,
2) Dann folgt der Konflikt (innerlich oder äußerlich).
3) Schlussendlich die Konfliktlösung, die aber auch eine Zwischenlösung sein kann.

Die folgende Szene baut immer auf der vorhergehenden auf, sie bedingen einander, gehen logisch auseinander hervor. Dabei ist es unabdingbar, sich die Prämisse vor Augen zu halten, um die sich alles dreht.

Wichtig ist gerade für Autoren-Neulinge, die Szenen nicht zu überladen. Wie fühlt sich die Figur am Anfang der Szene? Verunsichert und ängstlich und glücklich und traurig und nervös? Das ist zu viel. Es genügt, wenn man für den Anfang der Szene EINE einzige Emotion wählt, die man verdeutlichen möchte, die die Handlung trägt. Nach dem Konflikt ändert sich meistens die Stimmung, was auch logisch ist. Ein Konflikt ist wie eine Karten-Neumischung beim Kartenspiel. Ebenso reicht es am Ende des Kapitels, die Hauptfigur EINE Emotion zeigen zu lassen. Viel Abwechslung und Spannung erzeugt es, wenn die Anfangs- und Endemotion des Kapitels Gegensätze bilden.

Für meine Szenenplanung nutze ich dieses Formblatt, auf dem der Platz ganz bewusst so gering gewählt ist. Die Szenenplanung ist dafür da, Ideen zu notieren, um später schnell einen Überblick zu bekommen. Hier schreibt man noch keinen Roman 😉 Zur Sicherheit schreibe ich mir die Prämisse auf jedes Blatt des Szenenplans und notiere in der Tabelle auch, zu welchem Teil der Prämisse (A, B, C, D – vgl. vorhergehende Tutorials zur Prämisse) die Szenen gehören.

Szenenplan
Was, wenn es mit einem Mal klemmt? Sollte man dann hinschmeißen und neu beginnen? NEIN! Falls ihr jetzt oder beim Ausschreiben merkt, dass es so nicht weiter geht, ist es gar kein Problem. In dem Fall habe ich mir ein Rettungssystem zurechtgelegt und dieses auch schon oft erprobt:
1) Alles bleibt so stehen, wie es ist, bis zu EINEM Kapitel vor der Stelle, wo ihr nicht mehr weiter wusstet.
2) Nun von dort aus mindestens drei Handlungsalternativen für die Figuren ausdenken, egal, wie abwegig sie erscheinen. Anschließend die Handlungsalternativen vergleichen.
– Wo seht ihr eher den Weg zum angedachten Schluss? (Dieser Punkt muss erfüllt sein.)
– Welche Alternative spricht euch am meisten an? (Der Punkt sollte erfüllt sein.)
„Viele Wege führen nach Rom“, heißt ein Sprichwort. Im Roman führen auch viele Wege zum richtigen Schluss. Es gibt auch nicht einen einzigen „richtigen“ Schluss, eventuell gibt es mehrere Alternativen.

Man kann sich auch von Kapitel zu Kapitel hangeln. Jeden Tag, bevor man schreibt, ein weiteres Kapitel planen. Das geht. Ich bin auf diese Weise jedes Mal, wirklich JEDES Mal angekommen. Aber das nur, weil ich die Hauptregel nicht verletzt habe:

Anfang und Schluss müssen nach wie vor immer in einer Beziehung zueinander stehen und die muss auch begründet sein. Eine Linie muss sich von Anfang bis Ende ziehen.

Der Schluss bei Harry Potter kann nicht sein, dass Harry nach Australien zieht und dort einen Zoo eröffnet.
Der Steppenwolf ließe sich nicht ab der Mitte weiterschreiben, dass nun Außerirdische auftauchen, Harry Haller entführen und weg ist er.

Die Gefahr, dass man sich vollständig verirrt, ist nach der bisherigen Vorplanung sehr gering. Die Prämisse bleibt ja bestehen. Die Figuren genauso. Und die Literaturgeschichte zeigt, dass auf diese intuitive Vorgehensweise perfekte Werke entstanden sind.

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Beitragsbild © Lilya – fotolia.com

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