Mein Buch des Monats: Januar 2018

Barbara Leciejewski: Vergiss nicht, dass wir uns lieben

FeuerWerke Verlag, Oktober 2015, gelesen als E-Book.

Auch wenn ich Liebesromane schreibe, habe ich dazu ein gespaltenes Verhältnis. Sie können so kitschig sein! Manchmal ist schon nach einem Zehntel des Buches klar, dass nun noch ein paar Verwicklungen folgen und dann bekommen sich die beiden endlich. Dieser Liebesroman ist anders. Der Beginn erscheint so irreal, dass es wie eine Mischung aus Traumgeschehen und Apokalypse anmutet: Ein Mann und eine Frau wachen unabhängig voneinander ohne Erinnerung in einem Wald auf einer Insel auf. Menschen außer ihnen existieren nicht, nur ein Haus, in dem es alles gibt, was sie zum Leben brauchen. Sie nennen sich gegenseitig Paula und Johannes, weil sie die Namen mögen. Sie erleben den Wechsel der Jahreszeiten, genießen den Moment, entdecken sich selbst und den anderen und sind sich sicher: Eine Außenwelt? Überflüssig. Die Schiffe, die am Horizont vorbeifahren, nach denen sie sich anfangs so sehr gesehnt haben, interessieren sie nicht mehr. Es sind Boten der Zivilisation, die wie Wolken vorüberziehen.

Und doch bricht die äußere Realität und ihre Vergangenheit über sie hinein, im wahrsten Sinne des Wortes.

Was mich von Anfang an gefesselt hat, ist die einerseits nüchterne und präzise, dann aber wieder so emotionale Sprache, die den Leser nicht bevormundet, sondern seine eigenen Bilder im Kopf entstehen lässt. Irgendwann will ich das Buch unbedingt noch einmal lesen, denn neben einer wunderbaren und ungewöhnlichen Liebesgeschichte geht es auch um existenzielle Fragen: Inwieweit können wir ohne Außenwelt leben? Können wir dann wirklich dauerhaft glücklich sein? Auf was basiert die Liebe: auf den aktuellen Erfahrungen, oder dem, was wir für unsere Vergangenheit halten? Gibt es die Vergangenheit überhaupt in dem Sinne oder ist es mehr eine Schwerpunktsetzung im Nachhinein in die positive oder negative Richtung?


Hinweis:

Es sind meine absolut subjektiven Leseerfahrungen, ohne den Wunsch nach auch nur einem Funken Objektivität. Es sind Bücher, die mich begeistern, die mich nachts wachliegen lassen, obwohl ich hundemüde bin. Denn es gibt sie immer wieder, die Romane, bei denen ich denke: WOW!

Es sind die Bücher, die mich nicht loslassen, wegen denen ich weiterschreibe, obwohl das eigene Schreiben manchmal nur mit Frust verbunden ist, finanzieller und sonstiger Art. Aber wir alle brauchen Bücher, die inspirieren, die uns durchschütteln, die uns aus dem Alltag reißen und uns neue Blickwinkel eröffnen oder deren Sprache einfach nur wunderschön ist.

Bei „Meinem Buch des Monats“ geht es um meine persönlichen Wow-Bücher, denn ich bin ja nicht nur Autorin, sondern auch begeisterte Leserin. Pro Woche lese ich im Schnitt vier oder fünf Bücher vollständig, bestimmt die dreifache Buchanzahl blättere ich an, und freue mich jedes Mal wie eine erfolgreiche Schatzsucherin, wenn mich eine Geschichte richtig packt. Immer halte ich die Augen nach mehr Lesefutter offen, in der Bibliothek, online, bei Antiquariaten und Buchhandlungen.

Der Platz als „Mein Buch des Monats“ 

– ist weder käuflich, 

– noch kann er mit einer Gegenleistung im Sinne von „Ich rezensiere Dein Buch und dann kannst Du doch auch mein Buch empfehlen“ erreicht werden.

Von daher bitte ich von Anfragen aller Art abzusehen, mir keine Bücher zuzuschicken.

Kommentare (2)

  1. Elke 21. Januar 2018 at 18:34

    Das ist eine Lesetipp mit dem ich wirklich was anfangen kann. Liebesgeschichten, bei denen es nur um ein paar Verwicklungen geht, interessieren mich nicht, denn man weiß ja schon, dass sie sich kriegen werden. Die Fragen, die dieses Buch aufwirft, sind dagegen interessant und bringen eine Dimension, die mich neugierig macht. Danke!

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